Transport XII/10 von Frankfurt am Main, Frankfurt a. Main (Wiesbaden), Hessen-Nassau, Deutsches Reich nach Theresienstadt, Getto, Tschechoslowakei am 14/02/1945

Transport
Departure Date 14/02/1945 Arrival Date 18/02/1945
Ostbahnhof auf dem Gelaende vor der Grossmarkthalle
Güterwagen
Theresienstadt,Getto,Tschechoslowakei
Eineinhalb Monate bevor das Frankfurter Gestapohauptquartier in der Lindenstraße am 26. März aufgegeben wurde und amerikanische Truppen das Gelände betraten, organisierte die Gestapo mit ihren Außenstellen in Wiesbaden, Darmstadt und Koblenz einen Transport. In diesem befanden sich Juden aus Hessen, Thüringen, Leipzig und Umgebung. Die Mehrheit der Deportierten hatte einen nichtjüdischen Partner und wurde in ihren Heimatorten verhaftet. Ihre Kinder waren mit auf dem Transport.
Der Transport fuhr vom Ostbahnhof Frankfurt am Main los und bestand aus 159 Juden aus Mischehen (Männer und Frauen) und 32 Kindern. Zur gleichen Zeit, am 8. oder 9. Februar, erhielt die Hälfte der in Leipzig verbliebenen Juden - 143 Männer und Frauen und fünf Kinder, 21 Personen aus Gemeinden der Umgebung und 150 aus Halle – eine Vorladung von der Gestapo, am 13. Februar um 9 Uhr am Sammelpunkt in der Zillerstraße 27 zu erscheinen. Nachdem sie dort eine Nacht verbringen mussten, wurden sie mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof gebracht. Obwohl laut Plan der Transport über Dresden nach Theresienstadt geführt werden sollte, setzten die heftigen alliierten Luftangriffe des 13. und 14. Februars den Hauptbahnhof außer Betrieb. Der Deportationszug musste eine andere Route auf noch befahrbaren Gleisen nehmen. Der Transport mit 616 Juden brauchte vier Tage bis Theresienstadt, wo er am 18. Februar ankam. In den Büchern des Ghettos wurde er mit XII/10 verzeichnet, die römische Zahl XII steht für Frankfurt am Main. Jeder in diesem Transport wurde am Ende des Krieges in Theresienstadt befreit. Im Folgenden ein Auszug aus der Zeugenaussage von Siegfried Haller aus Bad Kreuznach, der sich zusammen mit Hans Güntzburger auf diesem Transport befand. Günzburger litt an einer schweren Herzkrankheit. Als die Anordnung eintraf, versuchte seine arische Frau ihn vom Transport freizustellen und ließ ihn von einem Arzt untersuchen. Der Arzt erklärte ihn arbeits- und transportfähig und merkte an, dass er für Deutschland arbeiten müsse.
“Etwa Mitte Februar […] wurde ich nachts um 3 Uhr zu Hause abgeholt und zur Polizeiwache verbracht. Unterwegs wurde bei Güntzburger Halt gemacht und derselbe auch herausgeholt. Bei starkem Frost wurden wir dann mit einem offenen Lkw nach Bad Kreuznach zur Polizeiwache transportiert. Dort wurde ein größerer Transport zusammengestellt. In einem geschlossenen Kastenwagen wurden wir von dort nach Frankfurt geschafft. In der großen Markthalle in Frankfurt wurden wir gesammelt und verlesen. Dabei mussten wir stundenlang stehen. Oft war dieser Appell von Luftalarm unterbrochen. Während der Alarme wurden wir vom SD (Sicherheitsdienst) in einen nahegelegenen Bunker getrieben. Dabei war Güntzburger schon so schwach, dass er nicht mehr allein gehen konnte. Ich hatte ihn immer einhängen und trug auch seinen Koffer. Wir waren immer die Letzten, weil er sich kaum fortbewegen konnte. Der Sicherheitsposten hat uns verschiedentlich scharf vorwärtsgetrieben. Als dann die Verlesung der Einteilung fertig war, wurden wir auf den Ost-Bahnhof verbracht. Auch auf diesem Wege hatte ich sehr viel Arbeit, um Güntzburger in seinem leidenden Zustand zum Bahnhof zu bringen. Wir kamen zusammen in einem Viehwagen, in den ich Güntzburger hineinheben musste. Alle Insassen des Viehwagens hatten seinen Zustand erkannt und soviel, wie in ihren Kräften stand, getan, um ihm seine Lage zu erleichtern. Mit Hilfe von Decken machten wir ihm ein Lager zurecht, so dass er die tagelang dauernde Fahrt überstehen konnte. [...] Bei der Ankunft in Theresienstadt musste ich ihn auch immer stützen, damit er bis zur Unterkunft kam.”...