Am 16. November, fuhr Transport F, Zug Da 55, von Brünn (Brno) nach Minsk. Dies war der sechste Transport, der aus dem Protektorat Böhmen und Mähren nach Osteuropa fuhr. Er umfasste 1000 Deportierte, viele von ihnen jüdische Immigranten aus Polen und Österreich, die zuvor in der Festung Spielberg (Spilberk) inhaftiert worden waren. Laut einem Bericht, den die jüdische Kultusgemeinde in Prag vor ihrer Deportation zusammengestellt hatte, mussten sich die Juden am 13. November an einem Sammelpunkt in einem örtlichen Schulgebäude in der Merthautova-Straße einfinden. Dort blieben sie für drei Tage. Am 16. November wurden die Deportierten um 6 Uhr morgens mit Bussen zum Bahnhof gefahren. Ihr Gepäck wurde in einem separaten Waggon verstaut und nie wieder gesehen. Sie durften zwei Taschen und Bettzeug in die Passagierwaggons mitnehmen.
Laut einer Zeugenaussage Leo Herzogs nach dem Krieg dauerte die Fahrt viereinhalb Tage. Der erste Halt des Zugs war Prerau (Prerov), wo die ortsansässigen Juden die Deportierten mit Tee und Backwaren versorgten. Nach einem achtstündigen Aufenthalt setzte der Zug seine Fahrt nach Minsk fort und passierte auf dem Weg Tschenstochau (Częstochowa), Warschau, Brest-Litowsk und Baranowitischi. Die Deportierten durften an jedem Halt Trinkwasser für ihre Waggons holen. Herzog zufolge waren die Waggons gut geheizt.
Bei Schneeregen traf der Zug am 20. November um 10 Uhr morgens in Minsk ein. SS-Männer standen mit Peitschen bereit, empfingen die Deportierten mit Rufen wie „Ihr werden hier an Hunger und Kälte verrecken“ und trieben sie in das örtliche Ghetto, das sich sowohl aus ortsansässigen als auch deutschen Juden zusammensetzte. Die meisten der deutsch-jüdischen Ghettobewohner wurden im Juli 1942 ermordet....